Ich bin nichts wert

Konditionierung: "Ich bin nichts wert"

Das konditionelle Profil zeigt eine frühkindliche Verletzung, die vermutlich in den ersten 3 Jahren im familiären Umraum entstanden ist und ihre Ursache in zwangsweisen Abgrenzungen der Persönlichkeitsentfaltung des Patienten gegenüber unmittelbaren Verwandten hatte, insbesondere - sofern vorhanden - gegenüber Geschwistern oder - ersatzweise - gegenüber den eigenen Eltern oder einem Elternteil, der sich in einer sozial schwierigen und damit einschränkenden Rolle befand. Die Reaktion auf dieses Szenario in der Seele des Patienten war so, dass er sich offenbar nicht mehr traute seine eigene Persönlichkeit gegenüber dem sozialen Umfeld abzugrenzen. Das heißt er verharrte eher in der Haltung, das zu tun, was ihm auferlegt wurde, anstatt sich zu profilieren. Der Grund dafür mag eben in einer gewissen Drucksituation gelegen haben, die von außen auf ihn ausgeübt wurde. In der Folge dieses angepassten Verhaltens kam es zu ersten Fehlleistungen hinsichtlich des Ausdrückens dessen, was er fühlte, dachte und was er brauchte. Er erlernte ein angepasstes, aber kein zielgerichtetes und ihm nützliches Verhalten. Die weitere Folge der Konditionierung war, dss er keine Übung darin bekam, sich Verfahren oder Umstände auszudenken oder wahrzunehmen, in denen er sich selbst bestätigen konnte. Hinzu kommt, was heute und grundsätzlich das Schwierigste für ihn ist, dass er nicht weiß, wie er sich selbst bestimmen soll. Selbstbestimmung bedeutet, ein eigenes Ziel zu haben und dieses auch umzusetzen, oder zumindest nach einem Bilde zu leben oder aber so zu leben, daß es keinem der im eigenen Inneren wirkenden Bilder widerspricht.

Dies trifft hier nicht zu, da der Patient im wesentlichen in einer Art innerer Gefängnisphase lebt, in welcher er zuerst versucht, sich unscheinbar und möglichst straffrei gegenüber seiner Umgebung abzugrenzen, um nicht aufzufallen und nichts besonderes zu fordern, um in keinen Konflikt zu geraten. Dann unterdrückt er das, was er fühlt, denkt und möchte, bzw. drückt er es nicht aus und lebt so, als gäbe es nichts besonderes in ihm, was nach Ausdruck verlangt. Obwohl er innerlich den Konflikt spürt, sich selbst bestätigen zu wollen und eine Selbstbestimmung zu finden, um nach ihr zu leben, unterdrückt er auch dieses. Der Rückschluss daraus ist dann schließlich: Ich bin nichts wert! Dieses Urteil über sich selbst ist keineswegs angelegt, sondern die Qualität des angepassten Verhaltens, d.h. der Eindruck aus der Summe aller unförderlichen Empfindungen, die der Patient hat über sich ergehen lassen, nachdem er einmal in die Anpassungs- und Verdrängungsphase getreten war.

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