Ich fuehle mich allein gelassen

Konditionierung "Ich fühle mich allein gelassen."

Hier scheint ein Filtern der Bewusstseinswirklichkeit unter dem emotionellen Aspekt des Alleingelassenwordenseins stattzufinden. Daraus resultieren aggressive Abwehrmechanismen gegen alles, was von außen kommt, - ungeachtet der Qualität des Ankommenden. Der mittelbar damit ausgelöste Abschottungseffekt verstärkt das Gefühl, isoliert und alleine zu sein, wenngleich das Gefühl "hausgemacht" ist. In der Rückkoppelung dieser Abwehr entsteht die Methode, ankommende Einflüsse unbeeindruckt und unverarbeitet abzulagern. Aus dieser Methode verstärkt sich das Gefühl der Isolation weiter, da durch das Nichtverarbeiten der Informationen diese nicht wirklich wahrgenommen werden und damit auch keine Kommunikation möglich ist. Schließlich wird das Isolationsverfahren verstärkt durch eine pervertierte Kommunikationstechnik: Der Patient nimmt mit eigenem Antrieb und Aufwand an dem Teil, was um ihn herum geschieht, er nimmt es aber nicht wahr, da er es nicht verarbeiten will. Er "mimt" sozusagen Anteilnahme und Interesse und versteckt dahinter seine Angst und sein sich ständig selbstbestätigendes Verlassenheitsgefühl. Das Verhaltensszenario könnte so beschrieben werden: "Ich wehre mich gegen alles, was von außen kommt, da es mir schaden könnte!" Und "Ich will nichts mehr 'reinlassen und nichts mehr zur Kenntnis nehmen!" Und "Ich will nichts mehr hören von den Dingen, die sich um mich bewegen!" Und schließlich, als hintergründiges, verstecktes Anliegen: "Ich will die Gedanken, Gefühle und Handlungen nicht nebeneinander stehen lassen, als hätten sie keine Beziehung zu- und untereinander; ich will sie miteinander verbinden und austauschen, um daraus zu lernen!" Das Szenario deutet auf eine frühere Übersättigung und Überlastung mit Informationen und Ereignissen hin, denen der Patient ausgesetzt war, ohne sie beeinflussen oder sich gegen sie wehren zu können, - die ihn aber stark beeinflußten, bzw. sein Leben bestimmten. Das Szenario enthält weiterhin den Hinweis, daß diese Ereignisse in einem gewissen, bis krassen Gegensatz zu anderen Ereignissen oder Versprechungen gestanden haben müssen, dass also eine Kluft zwischen einer vorher versprochenen oder in Aussicht gestellten und dann hinterher produzierten Wirklichkeit bestand. Ein Bruch, der die Fähigkeit des Patienten, Vertrauen zu bilden, erschütterte und ihn so in die aggressive Abwehrlage driften ließ. Es müsste sich um ein Trauma des Vertrauensmißbrauches und des darauffolgenden Vertrauensverlustes handeln, bei dem eine sehr nahe Bezugsperson den Vorteil der Nähe zur Vertrauensbildung benutzte und das im Patienten erzeugte Bild von dieser vertrauenswürdigen Person durch ihre nachfolgenden Handlungen und durch die Wirkungen dieser Handlungen über Nichteinlösen, Widerspruch oder Leugnung verletzte bis zerstörte.

Für die Klärung dieses in einer abwehrenden Haltung verrannten Konfliktes wäre die genaue Erkundung folgender Unbekannter nötig: Zu wem hatte der Patient je Vertrauen? Wer hat je sein Vertrauen mißbraucht? Wer hat ihn grundsätzlich oder stark wirksam belogen? Was schmerzt ihn heute noch daran? Könnte er mit dieser verursachenden Person den Konflikt heilen?

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